Wie ich zu den Schildkröten kam



Obwohl ich schon immer Reptilien mochte, hatte ich mir bisher noch nie welche angeschafft. Vielmehr hatte ich mir vorgenommen, sollte ich jemals eine Hundehaarallergie bekommen, dann würde ich mir ersatzweise Leguane holen. Schildkröten mochte ich auch schon immer, sie kamen aber eigentlich nicht in die engere Wahl.

Nun besitze ich schon länger ein Aquarium. Neuerdings habe ich dieses als Welsbecken eingerichtet, da ich mit anderen Fischen nicht sehr viel Glück hatte und sich bei mir auch ein toter Fisch auf den Magen schlägt. Die Antennenwelse jedoch fühlten sich wohl und vermehrten sich sogar! Durch diesen "Umbau" kam ich wieder öfters in die Zoohandlung. Dort schwammen zwei Gelbwangen-Schmuckschildkröten in einem kleinen Becken, die mir leid taten, also musste ich wieder, wie mein ältester Sohn immer zu sagen pflegt, "Mutter Theresa" spielen und mindestens eine der Beiden "retten".

Wie aufwendig das werden sollte, war mir vorher nicht wirklich klar. Ich kaufte also eine geeignete Lampe, die auch UV-Licht produzieren konnte, ein größeres Becken von 120 cm (60 cm waren schon für eine 10 cm große Gelbwange zu klein), Bücher und informierte mich im Internet.

Für die kleine Gelbwange wäre das jetzt erst einmal okay gewesen, wäre da nicht kurz darauf David, ein Junge aus der Verwandtschaft, auf mich zugekommen, um mir noch eine Gelbwangen-Schmuckschildkröte von ca. 16 cm und eine Hieroglyphen-Schmuckschildkröte von ca. 20 cm zu vermitteln. Ein Junge aus seiner Klasse hatte sie von seiner Tante geschenkt bekommen, da diese die Kröten beim Umzug in die neue Wohnung nicht mitnehmen konnte. Leider ahnte seine Mutter nichts davon, so dass er die beiden Schildkröten wieder los werden musste. David wusste, dass ich neuerdings Schildi-Besitzer war und fragte sogleich bei mir nach.

Wie sollte es anders sein, wieder kam "Mutter Theresa" zum Vorschein. Man konnte die Kröten doch nicht wieder irgendwo hin abschieben, wo sie vielleicht wieder in einem Nagerkäfig in einer Pfütze gesessen hätten! Also nahm ich sie erst einmal zu mir, um sie dann weiter zu vermitteln. Ich schrieb also Auffangstationen an und telefonierte mit dem örtlichen Tierschutz. Dieser empfahl mir einen Landschildkrötenmann, der mir eine Adresse für Wasserschildkröten gab. Dort hatten es die Kröten super. Zwei große Teiche - wie sie sich es gewünscht hätten! Leider war ich nicht erfahren genug, um zu wissen, dass meine beiden Arten im Winter dort nicht sein sollten. Nachdem mich eine nette Dame von einer Auffangstation angerufen hatte und mir dies ziemlich verdeutlichte, rief ich den Besitzer der Teiche wieder an, um ihm alles zu erklären. Unser örtlicher Tierschutz und auch er verfügten wohl nicht über genügend Kenntnisse über Schmuckschildkröten. Jedenfalls war der Mann sehr nett und kooperativ und wollte mir die Schildkröten zurückgeben. Leider war die Gelbwange sehr scheu und er konnte sie nicht wieder herausholen. Die Hieroglyphenschildkröte hingegen war handzahm und ließ sich füttern und einfangen. Ich holte sie ab und nahm sie zu mir, um sie an eine Auffangstation zu geben. Leider musste ich erfahren, dass diese genauso überfüllt wie unsere Tierheime sind, weil der Mensch eben dazu neigt, sich Tiere ohne Sinn und Verstand anzuschaffen, um sie dann bei der ersten Gelegenheit wieder abzuschieben. Also behielt ich die Schildkröte.